from Iran – das bisher freundlichste Reiseland!

Kyros erkannte ca. im Jahre 550 B.C. die Kraft der Religionen, respektierte sie und liess sie friedlich miteinander leben. Seine Grabstätte, die mit ihrem sechsstufigen Aufbau an eine mesopotamische Ziggurat erinnert, wurde zwar geplündert aber nicht zerstört. IMG_1756Dennoch war’s Alexander dem Grossen wert, sie später zweimal zu besuchen. In dieser Wiege der Menschheit galt bereits: wer Frieden säht, erntet Frieden – und nach selbem Prinzip funktioniert es mit Hass. Wo früher europäische Königshäuser mit prunkvollen Geschenken und neuester Technik die Gunst des persischen Schahs zu erwerben versuchten, werden solche Länder heute auf die Axe des Bösen gesetzt und mit Sanktionen solange geschwächt, bis ihnen der Westen „die rettende Hand“ reicht, woraus dann einseitig attraktive Vertragswerke entstehen. – Besucht Iran, und Ihr werdet überrascht sein, wie freundlich die Leute, sauber die Strassen, schmackhaft das Essen, schön die Landschaft und reichhaltig die Geschichte ist! Wer hinhört, hört soviel gutes und schönes von diesem Land berichtet.

Esfahan
– nesf-e jahan (Isfahan – das ist die halbe Welt), so die Einheimischen. IMG_1712Wer seinen westlichen Lebensstandart zu senken vermag und sich vorstellt, damals mit seiner Karawane wochenlang durch karges Land Handelswahre entlang der Seidenstrasse transportiert zu haben „und dann, wie im Theater, wenn der Vorhang aufgeht, treten zwei öde Hügel auseinander und dahinter enthüllt sich langsam der Garten Eden.“ (Pierre Loti), IMG_1508der versteht, wie reich geschmückt und architektonisch perfekt Isfahan gebaut wurde, dass es bis heute zu faszinieren vermag. Um 1650 zählte Isfahan zu den schönsten Städten der Welt. IMG_1663Sie war ausgerüstet mit ca. 320 Badehäuser, welche jeweils nach der Ankunft und vor der Weiterreise genutzt wurden. IMG_1580Selbstverständlich waren sie wohl verziert und aus bestem Material farbig geschmückt; aus der Kargheit ins Vergnügen und zum Abschied gleich noch einmal.
Der Zayandeln Rud bringt im Frühjahr Wasser aus den Bergen. Vor drei Tagen lag der Fluss noch trocken. So ist es verständlich, dass sich heute grosse Volksmassen an seinen Uferseiten aufhalten; er verbreitet Freude und Ruhe. IMG_1519Seine 290 m lange / 14 m breite Brücke (Sio-seh Pol) mit 33 Bögen wurde natürlich erstellt, als er trocken lag. Dank ihr wurde der Fluss um 50 cm aufgestaut und vermochte die königlichen Gärten zu tränken.
Sie verband weiter den nördlichen Stadtteil mit jenem der Armenier. Diese zeigen in ihrer bunt bemalten Kirche u.a. die Leiden Christi vor seinem Tode…IMG_1608 Ein absolutes Muss eines jeden Besuches soll eine Führung durch die Masdjed-e Djameh (Freitagsmoschee) sein! Ihre Mosaike im Innenhof haben mehr Glanz als Mosaike von Spiegelmoscheen. (Bild: aus Teheran)IMG_2302Sie zählt für mich zu den schönsten Bauwerken weltweit. IMG_1534 IMG_1535 IMG_1569 IMG_1560Übrigens sind auf den Minaretten oft Hände angebracht, die zum beten einladen. Ursprünglich war diese Moschee Feuertempel der Zoroastrier-Gemeinde, IMG_1588welche noch heute das Feuer verehrt. Um 640 A.C. griffen die Araber die Stadt an und der Feuertempel wurde fortan Moschee genannt. Einige liessen sich mit Steuerfreiheit zum islamischen Glauben hin bewegen.
Mit den Leuten kommt man leicht in Kontakt. So gäbe es rasch mal 1001 Geschichten zu erzählen, was ich mir hier jedoch erspare. IMG_1512Erfahren habe ich 100%! freundlichste Leute; die Mehrheit gut gebildet, einzelne weniger dafür waren diese besser über Allah informiert (so wie bei uns!). Der Dschihad bedeutet lediglich, sich von den Frieden gefährdenden Menschen zu entledigen. Das Missbrauchspotenzial dieses Gebotes besteht. Im praktischen Christentum wurde allerdings auch schon mancher Weg gefunden, sich im Namen Gottes von x-was-gefährdenden Menschen zu entledigen; also: auch hier sind Parallelen vorhanden. Isfahan ist weiter bekannt für seine Handwerkskunst, wie z.B. kratzfest bemalene Kupfergefässe, IMG_1720 oder TeppicheIMG_1700

Yasd IMG_1834„…Wasser in der Wüste – besorgen wir/IMG_1925 ökologisches Eislager in der Wüste – das bauen wir / natürlich air-conditioned Räume in der Wüste – kein Problem!“ IMG_1812Kaum verwunderlich, wurde im Jahr 2000 hier an der Universität ein internationaler Kongress über Wasser und Quanate gehalten. In dieser etwas konservativen und religiösen Gegend arbeiten die Leute viel, häufen sich Geld an, leben eher verschlossen und seien wenig lebensfroh. Und doch versuchen einige etwas zu bewegen. Entspannte Atmosphäre findet man z.B. in einem ihrer Kaffeehäuser.IMG_1772 Das Gassengewirr, in dem viele Lehmhäuser noch bewohnt sind, wurde von der UNESCO zu einer Stätte des Weltkulturerbes erklärt. IMG_1844 IMG_1869 IMG_1770Natürlich gäbe es einige schöne Bürgerhäuser zu bestaunen. IMG_1773 IMG_1867  Dabei gilt es den verbreiteteren Lebensstil der einfachen Leute nicht zu vergessen. IMG_1765 IMG_1757 Vor noch ca. 20 Jahre galt es nicht als Verbrechen, einen Fremdgläubigen auf offener Strasse zu beseitigen; heute schon. Die meisten ausländischen Touristen reisen in Gruppen: steigen aus dem Bus und wieder ein und machen sich dadurch unantastbar. Als individuell reisender Tourist wird man anders wahrgenommen. Mangelnde Englischkenntnis hemmt die Leute, den Kontakt aufzunehmen um ihre natürliche Neugierde mit Geschichten aus einer fremden Welt zu stillen.
Yazd ist weiter der Ort für nahe gelegene Wüstentrips. Der heisseste Punkt der Erde sei 72°C und soll „nicht weit“ von hier liegen.
Auch Yazd ist bekannt für die vielfältige Handwerkskunst.
Der Sommergarten „Baq-e Doulatabad“ ist ein angenehmer Ort, mit Restaurant zum verweilen.IMG_1902IMG_1905Und dann gibt’s auch noch diese eiförmige, schwere Holzgestelle (2.Bild aus Yazd): sie schmücken es mit schwarzen Tüchern und tragen es jährlich anlässlich der Trauerprozession von Imam Hossein durch die Gassen; sie versuchen etwas das Martyrium des Hossein nach zu leiden.

Shiraz
Mit einem moderneren Bus als in Europa üblich, fahre ich für 6 US$ während 6 Stunden über Nacht nach Shiraz. IMG_2167IMG_2102img_2174IMG_2064Am Zielort ist es mir nicht nach einer der einfachen Bleiben, weshalb ich für einmal das teuerste Hotel der Stadt buche (Hotel Homa). Hier sind auch all die langweiligen Gruppentouristen der Fertigreiseangebote zu finden, welche ihr Abenteuer in ein von Medien und Politik diffamiertes Land wagen, welches zugegeben von einem politisches System gelenkt wird, mit dem sich die Einheimischen selten zufrieden zeigen. Die Situation sei sogar angespannter als vor dem Sturz des Schahs und dennoch bewegt sich das Volk dank Abhängigkeit von moderner Kommunikation und Überwachung nur sehr limitiert (die „Sicherheitskameras“ sind auch in Europa sehr beliebt und verbreitet). Vom überschwappen des „arabischen“ Frühlings (2011) blieb das Land verschont.IMG_2145 IMG_2137 IMG_2125 IMG_2121 IMG_2105 IMG_2096 IMG_2084 IMG_2074IMG_2068 IMG_2089Ausgrabungen um Shiraz brachten 7’000 Jahre alte (5’000 B.C.) Keramikfunde zum Vorschein. Die verkehrstechnisch günstige Lage löste Perspolis als Orientierungspunkt aus der Verkehrsroute und brachte Shiraz die Wichtigkeit einer Hauptstadt. Es ist die Stadt mit der Weinhochebene. Mit dem Alkoholverbot wurde die Weinproduktion eingestellt. Die Shiraz-Rebe trägt heute ihre Trauben im Ausland. Shiraz gilt auch als Hauptstadt der Künste. Hafis begründete ihren Ruf als Dichterhauptstadt – von Hafis liess sich der deutsche Göthe seinerzeit sehr inspirieren. Auch der mongolische Eroberer Timur verschonte 1387 die Stadt aus Respekt gegenüber Hafis! Sa’di ist ein weiterer sehr bekannter Dichter Shiraz.
Viele Gärten zieren das Stadtbild; der Baq-e Eram ist einer der bekanntesten.IMG_2176 IMG_2086Meine persönliche Reiseführerin ist Englisch-Prüfungsexpertin, was man ihrer Wortwahl und Aussprache nach glauben darf; selbst ihre Gestik scheint sehr britisch-modern.
Auf die Frage, was fünf junge, hübsche teheransche Frauen alleine in einem Touristenbus sitzen, gibt’s verschiedene Antworten:
IMG_2062a) ihr Mann kümmert sich um seine Mutter
b) sie antworten dem Westler sofort, sie seien noch nicht verheiratet
c) sie fanden ihren Traumprinzen noch nicht
d) verzichten freiwillig auf eine Beziehung, weil ihre Vorstellung bisher nicht mit der Realität übereinstimmte
e) Sie geniessen ein verlängertes Wochenende, fern vom Alltag

Perspolis IMG_1951IMG_2027IMG_1975 IMG_2017IMG_1958ist wohl der Hotspot in Shiraz. Etwa um 515 B.C. fasste Darius der Grosse den Entschluss, am Auslauf des Berges der Gnade eine Anlage bauen zu lassen, die die Macht und Grösse des achämenidischen Weltreichs architektonisch zum Ausdruck bringen sollte.  IMG_2025Die Anlage wurde hauptsächlich zum grossen Empfang anlässlich des Neujahrsfestes und zu Siegesfeiern nach grossen Feldzügen benutzt. 332 B.C. ging die Anlage in Flammen auf, nachdem sie zuvor von Alexander dem Grossen besetzt wurde. Vermutet wird ein Racheakt aufgrund der Zerstörung der Akropolis in Athen (grosse Bauwerksideen Hitlers  -Neuzeit-  wurden auch aus Missgunst zerstört).IMG_1997111 Treppenstufen führen hinauf zum Empfang (genauso viele Poststellen waren im Lande verbreitet).IMG_1943 Die Trockenmauer ist in ähnlicher Technik erstellt, wie sie 1’000 Jahre später in Cusco errichtet wurden.IMG_1944Der Löwe als Zeichen Persiens beisst andere Tiere, welche wohl Zeichen anderer Reiche darstellte.
IMG_2009(2. Bild: aus Teheran; der Asien-Drache unterliegt dem Löwen)IMG_2285Die vielen geladenen Gäste wurden an den Wänden dargestellt – wohl als Zeichen der grossen Vernetzung.IMG_2015 IMG_1962IMG_1971In jüngster Zeit wurden Figuren enthauptet, weil einzelne Volksgruppen in der Geschichte eine Lähmung des Fortschritts erkennen (analog Kambodscha, Luxor und leider viele andere), und sich für so klug einschätzten, revolutionäre Geschichte schreiben zu können.
Damals wird die nahe Stadtbevölkerung auf 500’000 bis 1 Mio. Einwohner geschätzt.
Im Fels von Naqsh-e Rostam (7 km von Perspolis) sind mehrere Grabstätten und Szenen wichtiger Ereignisse (acht sasanidische Reliefs) aus der Zeit von 400 A.C. in den Fels gemeisselt.IMG_1551IMG_1932 Im Gebäude gegenüber der Felswand steht ein Tempel, in welchem das heilige Feuer brannte.IMG_1938Vor dem Takeoff erinnert der Pilot die Frauen, den islamischen dresscode einzuhalten. IMG_1946Dies scheint mindestens so wichtig, wie die Übung mit der Sauerstoffmaske. Der Flieger zählt zu den neuesten weltweit und der zwei Stunden verspätete, 90 Minuten dauernde Inlandflug kostet 36 US$.

Teheran
Meine Ankunft ist morgens um vier Uhr. Die Strassen sind an diesem Sonntag (unserem Freitag) leer. Meine CS-Stadtführung fiel vorerst wegen Terminüberschneidung ins Wasser. Doch innerhalb einer Stunde holte mich deren Nichte mit Freund und Privatwagen ab – wow!! Habt Ihr einen solchen Einsatz für einen Unbekannten schon mal erlebt?? Dabei war ihre Nichte am Vortag auf dem Hausberg Skifahren und spürte sämtliche Gliedermassen (die nahen Berge reichen hier bis auf 5’671 müM: Kuh-e Damayand).IMG_2376 Hotspots in Teheran sind: Nationalmuseum, IMG_2208 IMG_2228 Diamantenmuseum, Teppichmuseum,IMG_2364 Sa’ad Abad und Niyarwara Palast,IMG_2277 IMG_2331 IMG_2288der Bazar und natürlich einmal mehr die Leute. IMG_2292Im Parc-e Laleh IMG_2353steht eine Kopie des Kunstwerks von Max Ernst (Steinbock).IMG_2373 Diskutierende Frauen auf der ParkbankIMG_2351Mal setze ich mich ins Caffe Godot (es hat seinen Namen von „Waiting for Godot“ des französischen Schriftstellers Samuel Beckett). IMG_2379Die Hübsche serviert mir einen Latte-Macchiato. Sie erzählt mir, während acht Monaten gereist zu sein nach Gordan, Türkei, Bulgarien, Nepal und Indien. Dabei machte sie in Nepal eine berührende, äusserst herzliche und sinnige Bekanntschaft mit einem Israeli. Beide werden sich kaum je in ihren Heimatländern besuchen dürfen. Geschäftsreisende dieser beiden Länder besitzen einfach zwei Pässe.
Als Highlight muss ich nicht eine historische Baute erwähnen, sondern die persönliche Begegnung mit 4-5 Teherans. Ich hatte das Glück, ihnen vorgestellt zu werden: Künstler, Musiker, Sänger, Medizinerin, Forscherin, Literaturübersetzerin, Kongressdolmetscher, ITC. Es war ein lockerer Abend in einem Restaurant ihrer Freunde. Sie genossen meine Schokolade und ich ihre Gastfreundschaft, und gegenseitig genossen wir den Einblick in unsere Kulturen. Da zieht einer aus der Bibliothek ein Buch von Hafis und sie lesen aus seinen Gedichten geschickt betont vor, als ob ich Farsi verstehen könnte.

Theocratie
Einige Regeln sind als Tourist zu respektieren:
– wenn andere Länder aus Sicherheitsgründen den 10-Fingerabdruck zur Visumserteilung für Iranis verlangen, dann kann es nicht falsch sein, wenn sich der Iran diesen Sicherheitsmassnahmen anschliesst.
– Frauen müssen ein Kopftuch tragen / Männer dürfen das nicht. (wir erinnern uns unserer Grossmütter, welche dies freiwillig taten/ oder Cabriolet-Fahrerinnen). Dies gilt in sämtlichen Räumlichkeiten, welche von fremden betreten werden können.
– in öffentlichen Bussen werden Männer im vorderen Fahrraum von den Frauen getrennt fahren.
– Der Eingang in die Moschee ist geschlechtergetrennt.
– Alkoholkonsum kann schädlich sein, weshalb er strickte verboten ist.
– Nach dem Toilettengang wird nicht einfach trocken gewischt, sondern mit frischem Wasser sauber abgewaschen (das erstere wäre unhygienisch); Handseife und Wasser ist ausreichend vorhanden. In Europa wird dieser Brauch in „kultivierter Gesellschaft in Form“ von Bidet oder WC-Dusche vermarktet.
– Tanzen ist „unerwünscht“, die Zeit soll besser Allah gewidmet werden.
– Man sieht keine Männer in kurzen Hosen und Hawai-Look und die Einführung dieser Mode ist nicht gefragt.
– Weil Frauen die Phantasie der Männer nicht überanspruchen wollen, fahren sie kein Fahrrad, die Männer hingegen schon.
– Die weissen Pflaster auf der weiblichen Nase ist nicht Folge ihrer sie schlagenden Männer, sondern Folge einer kleinen Schönheitsoperation.
– nicht heiraten bewahrt auch hier vor Scheidung (und bei einem Seitensprung vor tödlicher Bestrafung der Frau)
– Taxifahrer verlangen für Touristen den 5-fachen Preis und statt den Preis durch die Anzahl Fahrgäste zu dividieren, multiplizieren sie ihn; bei den Touristen. Die Museen verrechnen ebenfalls Touristenpreise. Dies sind die beiden einzigen mir aufgefallenen Anbieter, welche sich deutliche Touristenvorteile verschaffen.
– Es sei heute nicht das Problem, dass keine Partys gefeiert und kein Alkohol versoffen werden kann (das lässt sich alles organisieren). Das Problem wurde mit versucht zu veranschaulichen, bestehe u.a. z.B. darin, dass ein Universitätsprofessor seine Schüler willkürlich nach Kleidung und Glaubensvermutung ausmustern und vom Unterricht verweisen darf.
– Eine Touristin, die ihre gewohnte, westliche Umgangsform für die Dauer ihrer Reise niederlegen kann, wird eine Reise in dieses schöne und äusserst freundliche Land sehr geniessen können.
– Seid Euch bewusst, dass Ihr mehr vom Iran sehen werdet, als manch ein Einheimischer.

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Dieser Beitrag wurde am 2013/04/12 um 11:00 veröffentlicht und ist unter holiday postcard abgelegt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.
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