from USA – wasn’t me (I’m just the driver)

Miami, Florida – cool, cool, cool. Das ist für mich ein völlig ungewohntes Umfeld. Doch gerade das machte es spannend, den Ferienjob als Chauffeur einer Journalistin anzunehmen. Das bietet die Gelegenheit, Land und Leute auf eine günstige Art und Weise kennen zu lernen und im Ferienparadies der Amerikaner (Florida) verschiedene Orte zu besuchen und original amerikanische Gastronomie zu erfahren. Zugegeben: das scheint auf den ersten Blick wohl ein Stilbruch meines bisherigen Reiseverhaltens zu sein und doch passt es wie ein ungenutztes Puzzleteil ins Bild meines bisherigen Kulturschatzes. Es hilft mir die Amerikaner besser zu verstehen, wenn sie schwärmen von Vaterland, Freiheit, Immigrationsproblemen, Hamburger, Umweltschutz und anderen Themen. Probleme und Glück sind auch hier vorhanden, einfach etwas anders. Die Highways sind generell 6-spurig und basieren auf der Logik Einspurer, Standardverhaltender, Überholender; dabei werden diese Strassen während unseres Besuches kaum benutzt! Vielleicht ist dieses gedeutete Zeichen einer Mentalität des überdimensionierens zumindest teilweise aber dennoch fundamental mitbeteiligt an der aktuellen wirtschaftlichen Lage des Landes. On place ist kaum Elend zu erkennen und die Autobahnwärter sind trotz ihres einödigen Jobs stets freundlich.

Gereist bin ich über Berlin. Von der einst in Ost und West durch eine Mauer getrennten Stadt gibt es Postkarten, bei welcher die Wesis anno 1985 über einen kleinen Turm zu den Osis hinübergucken. / Im Kennedy-Space-Center in Florida erfährt man, dass dieses Verhalten wohl Ursprung mit der Sputnik der Sowjets zusammenhängen könnte. Die Erforschung der Unendlichkeit durfte auch aus hiesiger Sicht nicht unkontrolliert dem Gegner der „falschen“ Ideologie überlassen werden. Kennedy investierte in die Raumfahrt und besiegte den Gegner am 20. Juli 1969 mit der ersten bemannten Mondlandung. Der Bau einer Rakete, die Textilien, die Nahrung und die Automatisierung der Weltraumforschung bleibt bis heute spannend. Von dieser Unendlichkeit des Nichts erfährt man, dass die Weltraumforschung sogar dem Wohlbefinden und Fortschritt der Menschen auf Erde dient. So sind wir heute u.a. im Genuss von Fastfood, Wärmedecken, Flachbild-TV und wir wissen, dass unser Planet für uns einzigartig ist.

Disney-World ist weit mehr als nur Mickey & Mini Mouse. Disney-World ist ein Erlebnispark für grosse und kleine Kinder und solche, die sich gerne wieder mal in Kindheitserinnerungen wiegen lassen möchten. Der Besuch lohnt sich besonders bei schlechtem Wetter, weil der Park dann trotz seines 90US$ Eintrittes nicht überfüllt ist. Eltern sollten entweder ihre Kinder vorher entsprechend erzogen haben, oder eine gut gedeckte Kreditkarte mit sich führen. Schön ist doch die einstige Vorstellung des „Tomorrowland“. Der Splash-Mountain mit lebendigen Comic-Szenen und die „Haunted Manison“ mit 999 grinsenden Geistern empfehle ich gerne weiter. Mickey und Mini stehen zum Gruppenbild bereit, genauso wie die drei Prinzessinnen, welche im berühmten Schloss des Magic Kingdom eine Prinzessinnenschule für kleine Mädchen anbieten. But don’t leave the park before you have seen the show in front oft the castel.

Und dann geht’s weiter zur Gegend, wo sich W. am 9. September vor zehn Jahren aufhielt. Die Zeitungen werden voll sein mit Reportagen zum „Jubiläum“. Drei Personen wollten sich interviewen lassen/ eine Person sagte 13 Stunden vorher ab und eine Person wurde offensichtlich von  der Militärschulleitung eingeschüchtert, Interview zu geben. Das ist jedoch alles nicht das Problem der Leserschaft und sie wird unsere nachfolgende Blitzaktionen auch nicht erfahren. Jedenfalls fühlte ich mich während drei Stunden im Auto im Regen wartend wie ein erfolgloser Papparazzo. Wir versuchten den kleinen dicken Jungen sogar mit Schokolade zu locken – danklos und vergebens. Aber wir waren aktiv und sogar der Sherif (zu europäisch: Dorfpolizist) wurde auf uns aufmerksam und vereinbarte mit uns noch kurzfristig einen Termin. Er suchte uns auf, weil angeblich soeben tags zuvor aus unserem Heimatland ein Amerika-Lästerschreiben verbreitet wurde, welches dessen Untergang beschwört und Attentate nicht ausschliessen liess. Ich verabschiedete mich jedoch vor Übermittlung dieser Botschaft des Sherifs an meinen Arbeitsplatz, denn :“ I am just the driver“.

Nun sind wir an der Westküste und hoffen auch mal noch schnorcheln gehen zu können.

Doch wer zu viel TV guckt, dem ist der „driver“ grundsätzlich etwas suspekt. In Kombination mit dem Rückflug am 10. September und unserer Aufteilung in zwei um 30 Minuten versetzten Flüge fühlt sich der paranoide Amerikaner bereits bestätigt – logisch, wenn auch jeden Tag Terror verübt werden könnte, so kann sich Amerika so etwas am 10. Jahrestag nach 9/11 nicht leisten. Folglich stehen wir täglich per E-Mail in Kontakt mit dem Sheriff. Beim boarding des Rückfluges wird noch mein Name ausgerufen und ich werde von zwei Gentlemen’s mit hilflosen, bereits fünffach beantworteten Fragen gefüttert (nur so, um meine Reaktion zu prüfen). Danach setze ich mich auf den nächsten Stuhl, neben die Person, welche später im Flugzeug neben mir sitzt, leicht das Gespräch mit bekannten Fragen sucht, die selbe Toilette gleich nach mir besucht und immer wach ist, wenn ich es auch bin. Vor Abflug wird noch ein anhaltender Alarm ausgelöst und im Flugzeug verspüre ich am Körper gerade dann einen Impuls, als ein „Servierrolli“ neben mir parkt – bei so vielen Erlebnissen versteht man, die Logik der Amis besser. Und doch war ich froh, passierte mir das in den Staaten und nicht im Tibet beim korrupten China-Clan.

Aber… die Reise war dennoch schön. Wir besuchten das ehemalige Ferienhaus von Edison und seines Nachbarn Ford. Weiters den aller südlichsten Punkt der USA sowie das Haus Hemingways in Key West. Sein Suizid wird auf seine manische Depression zurückgeführt. Vielleicht gab es auch andere Umstände, die ihn 1961 dazu bewegten. Im Garten hatte er immerhin das Pissoir seiner Stammkneipe platziert, welches von seiner Frau (er hatte nacheinander total vier) zu vertuschen versucht wurde. Er war umgeben von vielen Katzen und führte in seinem Garten einen Katzenfriedhof. In den goldigen 1920-ern besuchte er Europa und traf in Paris auf Picasso und andere bekannte Künstler.

Und schöne Strände? – ja, hat es und wir genossen sie. Persönlich bleibt jedoch der geheime Ort in Haïti mein Favorit.

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Dieser Beitrag wurde am 2011/09/07 um 06:00 veröffentlicht und ist unter holiday postcard abgelegt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.
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