Luxus

ist z.B. Orangensaft in einer hoeheren Konzentration als 40%. Ein Steak mit Pommes, ein Eis, Expresso, richtige Pizza – jedenfalls in dieser Reihenfolge habe ich mich in Santo Domingo „verwöhnt“, als ich zwecks technischen Einkaeufen hierher musste. Man schaut wieder mal in gefüllte Regale (ca. 6 x 2m) und staunt, was es hier alles gibt, das man in Haiti nicht findet und das noch lange nicht dem Standard der Schweiz entspricht- aber das war mir völlig egal, ich sass im Restaurant und hatte mir aus lauter Freude der Ueberraschung einfach einen entspannten Bigsmile aufgesetzt. Die 2xtäglich Reisfresserzeit ist für wenige Tage vorbei.

Es einfach mal etwas besser haben, als die anderen und das wenn möglich mit weniger Aufwand, als die anderen ist Antrieb vieler Handlungen.  Mit ein Grund, weshalb weisse Männer auf der Strasse von fremden, attraktiven Frauen angesprochen werden? Ein Grund um Weissen u.a. am Zoll relativ horrende Preise abzuverlangen? Ein Grund sich verstärkt und tendenziell monoton dem Geldwert nach zu orientieren – genau, ähnlich wie bei uns, einfach den Umständen entsprechend angepasst.

„chakun pou se, dieu pou tous“ Laissons à Dieu le soin de s’occuper des autres. Das ist leider eine weit verbreitete Einstellung vieler Haitianer. Sei es auf der Strasse, wo Essensresten lieber weggeschmissen, als hungrigen Leuten weitergegeben werden; sei es bei Projekten, die lieber aus Geldgier verunmöglicht werden, als dass man die Situation verbessern würde (selbst die Goldgräbeberstimmung hat ihre Grenzen). Davon werden wir überrascht, da wir mit einer hier unüblichen, gar fremd-optimistischen Einstellung ins Land drängen. Doch befremdet das nur bis zu dem Zeitpunkt, wo wir uns die umgekehrte Situation vorstellen – und würden wir das umgekehrte bei uns akzeptieren? Es muss nicht sein, dass je ärmer ein Volk ist, desto egoistischer wird es; es bleibt eine persönliche Einstellungssache jedes einzelnen.

Wenn es bei uns oft gegenteilig übertrieben wird, so macht man sich doch einige Gedanken über viele unserer errungenen Einrichtungen. Selbst für viele Leute unseres Landes sind die Zusammenhänge unsers Systems unüberblickbar und abstrakt; das, was hier wiederum klar und erstrebenswert scheint, doch mit der hiesigen Einstellung kaum erreichbar ist.

Nein, macht Euch keine Sorgen um mich – von Frust keine Spur, denn ich bin freiwillig hier und kann jederzeit dorthin, wo es mir gefällt. Hart ist die Situation für jene, die weder Wissen, Mittel und  Freiheit haben!
Offensichtlich ist, dass ich nicht die selbe Grundhaltung wie die Haitianer habe, denn sonst wäre ich nicht hier, und würde Gott sich um sie kümmern lassen. Wir kennen den Ausdruck: „Hilf Dir selbst, sonst hilft Dir niemand“, der den Teil auslässt, was mit „die anderen“ betrifft.

Blufferphoto oben, Ziel unten – muss mal die Flugzeiten kontrollieren.

Hier in der DomRep hat mir ein Taxifahrer vom Elend seiner Stadt erzählt: Müllhäufchen, Strassenlöcher, Kriminalität, Haitianer… – als ich genug hatte, zeigte ich ihm ein Bild aus Haiti und gab ihm einige Erklärungen dazu ab, danach hat er nicht mehr geklagt.  Z.B.  künstlerische Gestaltung der Kreiselfläche.Es wurde mir ausgerichtet, dass in einem Vorort von Port au Prince ein Diebstahl in sofort mit Selbstjustiz (scharfe Seite der Machete auf des Diebes Hauptes hart aufprallen lassen) gerichtet wurde – die Leute kennen die Regeln! / Der Chef der msf-France wurde aus dem Auto entführt. (Momentan werden ca. 20 Leute als Geisel gehalten) Sein Fahrer reagierte richtig und zeigte keinerlei Widerstand. Dies verlängerte ihm sein Leben um 2 Sekunden. (Es hat wesentliche Vorteile in einer kleinen NGO und ausserhalb von PauP zu sein!) Es ist wichtig, bei den Leuten einen guten Ruf zu haben und somit kann ich mich bei uns 24 Stunden alleine und nahezu risikolos bewegen – diese Freiheit ist ein gewisser Luxus.

In Haiti wird mir kaum über Sorgen berichtet. Der Zustand ist ein StatusQuo und man hat selten genügend Kenntnisse, wie ein besserer Zustand aussehen könnte. Die Leute wissen sich immer irgendwie  zu helfen, wenn dadurch auch das Durchschnittsalter etwas sinkt. Luxus und Sorge korrelieren meiner Ansicht nach bis zu einem gewissen Grad und sind relativ zum Wohlstandsniveau. Spannend ist, dass die Leute (ist auch wieder persönliche Einstellungssache) in nahezu allen Gegenden Sorgen haben, einfach dem Luxus entsprechend angepasst.

Santo Domingo (was man alles in einer Stunde sehen kann):

Mausoleum Christoval Colon

…derselbe vorher, bei der Arbeit

Platz der Freiheit

Präsidentenpalast Sinn für Kunst

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Dieser Beitrag wurde am 2010/08/02 um 14:09 veröffentlicht und ist unter hygene promotion abgelegt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

Ein Gedanke zu „Luxus

  1. Pierre sagte am :

    Hallo Felix

    Da scheint ja einiges zu laufen in Haiti und die Dom.Rep ist bereits ein Hort der Ruhe und Ordnung, auch wenn da einiges beim Argen ist. Es hat etwas gedauert, bis ich Deinen neuen Blog anwählen konnte, habs irgendwie nicht geschnallt mit dem douhaihao.wordpress.com, aber nun habe ich Deine Eindrücke gelesen. Vielleicht hast Du mal Lust, mir Deine Arbeit, deinen Aufenthaltsort sowie Deine Planung mal persönlich zu schreiben, es ist dann weniger langweilig in der Nacht und am WE, oder erlebst Du das anders?

    Grüessli Pierre

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