Humor ist, …

…ein geschicktes Mittel zur Auflockerung; in vielerlei Hinsicht.

„Business as usual“ kennt in Amerika keine Grenzen. In Anbetracht der noch immer schlechten Lage in Haiti, können einige Menschenfreunde nicht einfach daneben stehen und tatenlos zuschauen. Nein, sie wollen sich aus dem Teufelskreis des Machtlosigkeitsgefühls lösen und selber Hand anlegen. Statt Ferien in der Karibik heisst es nun eine Woche Hilfsarbeit in der Karibik, und lässt sich mit noch mehr Gewinn verkaufen. Ob die Idee von einem Reiseunternehmen stammt oder vom verantwortlichen Architekten, weiss ich nicht. Jedenfalls wurde ich darauf aufmerksam, als ich zu den falschen Leuten gewiesen wurde. Da steht eine Gruppe Alt-68’er und schaufelt Erde in Säcke, um daraus ein Haus zu bauen. Der Gedanke ist nachvollziehbar: „Haiti ging unter, es gibt kein Baumaterial, und daraus müssen wir was konstruieren“ –das Resultat sieht aus wie eine alte Kriegsfestung. Wenn’s dann fertig ist, ist es ein Haus mit zwei Türen und zwei Fenstern. Die Hilfstouristen haben am Ende des Projektes dann wirklich auch was geleistet: Erdsäcke gefüllt und aufeinander gereiht. Ich schaue dann in zwei Wochen mal nach, ob da wirklich jemand drin wohnt, oder ob ich die leeren Säcke für Materialtransporte nutzen darf…

Weit tiefer getroffen wurde ich, als ich zur Qualitätsanalyse einer neuen Quelle gerufen wurde. Die Quellschöpfung beträgt gerade mal 0,5Liter pro Minute. Durch das Beben wurden im karstigen Gestein viele Risse gebildet, wo nun das Wasser versickert, statt dass es gefasst werden kann. Da stand ich nun vor einer erwartungsvollen Bevölkerung, die viel zu wenig Wasser hat, teste deren weniges Gut noch auf Qualität, und kann die Wassermenge schlicht nicht erhöhen; ich stehe sozusagen hilflos daneben. Jegliche Hilfe scheint Sisiphusarbeit und Alibiübung! Das stimmte mich traurig und ich musste mich in dem Moment konzentrieren, an anderes zu denken. Dann ging’s mit dem Auto wieder zurück, vobei an ihren Dreieckshütten aus Palmblättern mit einem Grundriss von ca 1,2 x 2m. Ich sah einfach, dass wenn sich die Leute nicht bewegen (und wohin sollen sie denn, welche Zukunft haben sie dort, wer will sie, als ob am anderen Ort nicht schon genügend eigene Probleme vorhanden wären?!) dass sie dann aus Wassermangel leichter erkranken und sich so die Population entweder regelt oder wenn sie die kritische Masse von 500 Leuten unterschreitet, langsam ausstirbt. Vielleicht erlebe ich das nicht mehr, vielleicht ist es auch nicht so tragisch, wenn man es nicht weiss… Sie waren jedoch gut gelaunt und hatten glücklicherweise den sie schützenden Humor nicht verloren.

Und dann kommt noch die Wunschliste an den Weihnachtsmann: Der Bürgermeister hat mich zu sich gerufen, weil er ein technisches Problem mit seiner „Wasseraufbereitungsanlage“ habe. Das hat sich dann wie folgt geäussert: Eine unbekannte Anlage für einen bekannten Ort liegt nun seit 2Monaten in einer Holzschachtel vernagelt, die er nicht öffnen kann…! Nachdem ich die Schachtel öffnete, stellte ich die sechs Wasserhahnen gleich zusammen und gab ihm noch einen Rat, worauf weiters zu achten sei. Darauf beauftragte er mich mit dem Miniprojekt. Der Ort und die Quelle seiner Angabe waren mir bereits bekann. So füllte ich das Auto, um die Arbeiten gleich ausführen zu können. Nun führte er mich an einen anderen Ort als angekündigt. So stehe ich vor einem defekten Handpumpenbrunnen, den ich reparieren soll und dann das Wasser (am liebsten ohne zu pumpen) über seine Gedanken fünf Meter höher zu pumpen soll um den Weiler so mit fliessend Wasser zu versorgen… – Ach ja, da hörte ich doch aus unseren Medien, dass nach einem halben Jahr, noch erstaunlich wenig umgesetzt wurde. Wenn man vergleicht, was in unseren Gegenden alles hätte umgesetzt werden können, ist die Aussage richtig. Nur hier laufen die Sachen und die Denkweisen wie oben geschildert etwas anders. Auch werden Hilfsgüter am Zoll aufgehalten, um Lagerkosten zu verrechnen, die inzwischen den Waren- und Transportwert bereits übersteigen. Weiter ist einfach kein Wasserleitungskataster vorhanden, nach dem man die bestehenden Wasserleitungen hätte ausfindig machen können. Der Ingenieur der Wasserversorgung versucht mir einzureden, dass die Leitung auf -8m Tiefe liegt. Nach Aufarbeitung der Grundlagen und Ausarbeitung der Projektierung muss Ersatzmaterial selbstverständlich importiert werden, und dann steht es wieder am Zoll… Entscheidende Stellen erkennen wohl, dass man helfen will, und möchten dabei selber nicht zu kurz kommen. Sicherlich gäbe es auch ausländische GO’s und NGO’s zu kritisieren, aber die Geschichten kennt Ihr schon.

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Dieser Beitrag wurde am 2010/07/15 um 18:44 veröffentlicht und ist unter hygene promotion abgelegt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.
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