Feldarbeit

Da ich von Euch angefragt wurde, was ich so mache, schreibe ich Euch diese Seite.
Am stärksten vom Erdbeben betroffen ist die Küstenseite. Die frühere Wasserversorgungsleitung ist gebrochen und wird voraussichtlich erst in zwei Jahren wieder nutzbar sein. Bis dahin versuchen wir die Leute mit sauberem Wasser zu versorgen. Danach können unsere Anlagen rückgebaut werden. Sämtliche Gelder für die Arbeiten stammen von Geberländern und von privaten Spendern; sind diese Organisationen eines Tages weg, dann fliesst auch kein Geld mehr für Unterhaltsarbeiten oder Treibstoff. D.h. für die betroffenen Gegenden in den Bergen, dass unsere Anlagen möglichst energiefrei auskommen müssen. Die Wasserqualität der Quellen wurde durch das Beben nirgendwo beeinflusst; sie ist meisst „ungenügend“. Wenn wir die Leute von unnötigem Unwohlbefinden (z.T. ausgelöst durch Kolibakterien) befreien wollen, dann müssen wir so nachhaltig und so energieunabhängig wie nur möglich bauen. D.h. wir passen unsere Ziele an von der Notversorgung zur Entwicklungsarbeit.
Blick in einen Weiher: die einstige Wasserfassung wurde von einem Zyklon zerstört. Seither nutzen die Leute den oberhalb liegenden Weiher zum waschen, baden und trinken. Entsprechend ist er verschmutzt. Diese Quelle liegt nur ca. 1m über dem Meeresspiegel, was eine besondere Herausforderung ist für eine nachhaltige Lösung.
Der Zeitpunkt der Zerstörung war vor mehreren Jahren. Die betroffenen Leute haben sich bisher nicht zusammengerauft, um die Fassung zu reparieren. Sie nutzen gerne „moderne“ Sachen. Zusammenhänge zu erkennen sind sie leider kaum in der Lage.

Dies ist eine „Wasserfassung“ in den Bergen. Grundwasser fliesst der Felsschicht entlang, wird durch eine Mauer gestaut und über ein Rohr erreichbar gemacht. Das Reservoir ist seit dem Beben nicht mehr dicht. Das Wasser ist nicht nur durch die oberhalb liegende „Dusche“ verschmutzt. Ob der „Bach“ bei Regen tatsächlich auf 3m Tiefe ansteigt oder ob sich der lokale Ingenieur eine goldige Nase abverdienen möchte, kann ich aus heutiger Betrachtungsweise noch nicht sagen.
Menschen beider Geschlehte waschen ihre Körper hemmungslos bis auf den Hüftbereich. (Dies ist aus hygienischer Sicht bedenklich) Ich werde fast ausgelacht, als ich aus Rücksicht frage, ob ich zwecks Projektabklärungen näher treten darf.

Sicht von der Wasseraufbereitungsanlage (einem meiner Arbeitsplätze). Die Palmen sind braun, weil sie ersaufen.
und der Blick auf die andere Seite der Strasse
Die Leute wünschen sich Toiletten. Das Problem ist nur, dass wir wenig Höhe zum Meeresspiegel haben, um Latrinen zu erstellen. Ein Absaugwagen ist keine Option. Die Bio-Toilette hat zu geringe Kapazität, eine natürliche Kläranlage braucht zuviel und zu zentrales Landwirtschaftsland, die direkte Spülung ins Meer war bisher üblich, doch will das weder von uns noch von den Einwohnern akzeptiert werden. Dennoch gehe ich der Küste entlang und prüfe die Aussagen, dass die Küsten sauber von Exkrementen seien. (erstaunlicherweise sind sie das nahezu!)






Plan des lokalen Ingenieurs zum Bau eines erdbebensicheren Wasserturmes – basierend auf seinen Berechnungen…
Der öV funktioniert ganz ähnlich

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Dieser Beitrag wurde am 2010/06/02 um 07:29 veröffentlicht und ist unter Allgemein abgelegt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.
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